Beikost, Baby Led Weaning & die große Angst vor dem Verschlucken

Baby Led Weaning Verschlucken

Eine der größten Sorgen wenn es darum geht dem eigenen Baby zum ersten Mal feste Nahrung zu geben ist die Sorge vor dem Verschlucken. Vor allem beim Thema Baby Led Weaning machen sich viele Eltern Gedanken. Aber ist die Sorge vorm Verschlucken bei Baby Led Weaning überhaupt berechtigt? 

Diese und weitere Fragen klären wir in folgendem Beitrag.

1. Würgen und Ersticken – was ist was?

 

Kennst du das? Es ist soweit, dein Kind ist bereit für die Beikost. Du kochst voller Vorfreude den ersten Brei, erhitzt das erste Gläschen oder dünstest einige Stücke Gemüse weich um es deinem Kind in die Hand zu geben. Eine spannende Zeit beginnt. Und dann passiert’s: Dein Kind nimmt die ersten Bissen und fängt plötzlich an zu würgen. Panik macht sich in dir breit.

Dieses Szenario haben so oder so ähnlich wohl schon einige Eltern erlebt und es ist ja auch verständlich, dass es einen stark mitnimmt, wenn das eigene Kind sichtbar mit dem Essen zu kämpfen hat. Jedoch gilt dabei eines zu beachten: Würgen ist nicht gleich gefährliches Verschlucken.

Ganz im Gegenteil, Würgen schützt sogar vor einem gefährlichen Verschlucken oder gar Ersticken. Denn beim Würgen wird eine Kontraktion (Zusammenziehen) des hinteren Rachenraumes ausgelöst, durch die ein Eindringen eines Fremdkörpers in die Atemwege und damit ein Ersticken verhindert werden soll. Würgen ist also ein ganz normaler und vor allem wichtiger Schutzmechanismus des Körpers. (1)

Häufiges Würgen tritt anfangs übrigens sowohl bei Brei, als auch beim Baby Led Weaning auf.

Gefährliches Verschlucken, das ein Ersticken zur Folge hat, ist wiederum lebensgefährlich und erfordert ein sofortiges Handeln der Aufsichtsperson. Aber woran kann man nun den Unterschied zwischen normalem Würgen und gefährlichem Ersticken erkennen?

 

 

Baby Led Weaning Verschlucken

Das sind die Unterschiede zwischen Würgen und Ersticken

 

Würgen:

Würgen ist meist laut, dein Kind macht dabei Geräusche, hustet, weint. Das Gesicht kann sich durch die Anstrengung auch rot verfärben und die Augen zu tränen beginnen. Es klingt oft wie ein beginnendes Erbrechen. Bei einigen Kindern führt Würgen auch zum Erbrechen (sollte Erbrechen häufig und regelmäßig auftreten bitte mit dem Kinderarzt abklären). Auch wenn es natürlich beängstigend erscheint sein Baby so zu sehen, ist Würgen Teil des Essenlernens. Du solltest dabei also nicht sofort intervenieren.

Ersticken:

Dem gegenüber steht das gefährliche Verschlucken bzw. Ersticken. Dies ist eher leise, da die Atmung behindert wird. In der Regel wird dabei nicht geweint oder geschrien, teilweise ist ein pfeifendes Atemgeräusch zu hören oder das Kind wirkt sehr panisch. Durch die fehlende Sauerstoffzufuhr kann sich das Gesicht und die Lippen blau-violett bis hin zu grau verfärben. Im schlimmsten Falle kann es bis hin zu einer Bewusstlosigkeit führen.

Hier ist ein sofortiges Handeln nötig! Kontaktiere umgehend einen Notarzt und leite Erste-Hilfe-Maßnahmen ein. (2)

2. Auch dein Kind wird anfangs würgen…

 

… und das ist normal. Nicht nur, weil Würgen, wie bereits beschrieben, ein Schutzmechanismus ist, der vor schlimmeren Folgen bewahren soll. Sondern auch weil der Würgreflex bei Säuglingen unheimlich leicht ausgelöst werden kann. Bei Erwachsenen liegt der Würgreflex recht weit hinten am Gaumen, bei Babys ist dies nicht der Fall. Bei ihnen liegt er nämlich am vorderen Teil der Zunge und ist sehr sensibel. Dementsprechend schnell kann es natürlich bei Babys zum Würgen kommen.

Übrigens nicht nur durch Essen, sondern auch durch Schnuller, Spielzeug oder die eigenen Finger, wenn diese zu tief in den Mund gesteckt werden. Mit der Zeit und immer mehr „Training“ wandert dieser Reflex aber auch bei Kindern weiter nach hinten und das viele Würgen legt sich. Dies beginnt bei den meisten Babys um den sechsten bis siebten Monat. (3)

Beikost Verschlucken

So kann Würgen aussehen

Triggerwarnung: In dem Video sind würgende Babys zu sehen. In allen Fällen waren die Situationen ungefährlich und dienen der Aufklärung. Solltest du mit dieser Thematik große Probleme haben, schau dir das Video besser nicht an.

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3. So minimierst du die Gefahr des gefährlichen Verschluckens

 

Damit die Gefahr, dass dein Baby sich gefährlich verschluckt so gering wie möglich gehalten wird, hier ein paar Tipps (diese gelten sowohl für den klassischen Weg mit Brei, Baby Led Weaning oder einer Kombination):

 

1. Starte erst mit der Beikost, wenn alle Reifezeichen erfüllt sind!

Im Gegensatz zu früheren Empfehlungen die Beikost ab einem bestimmten Alter zu starten ist heute klar, dass die Frage nach dem wann von dem Kind selbst entschieden werden sollte. Ein Hinweis auf den richtigen Zeitpunkt der körperlichen Reife bieten die sog. Beikostreifezeichen. Diese sind:

– Dein Kind kann für kurze Zeit sitzen, entweder auf deinem Schoß oder selbstständig, und den Kopf stabil halten

– Der Zungenstoßreflex ist komplett verschwunden, d.h. wenn das Kind Essen in den Mund bekommt schiebt es dieses nicht mit der Zunge wieder heraus

– Das Baby kann nach Dingen greifen und diese zum Mund führen (Augen-Hand-Mund-Koordination)

Es ist sehr selten, dass diese Zeichen alle drei vor dem sechsten Lebensmonat auftreten. (4)

 

2. Verzichte auf ungeeignete Lebensmittel bzw. biete sie nur in babygerechter Form an!

Runde, harte oder prallelastische Lebensmittel wie ganze Nüsse, Heidelbeeren, Cherrytomaten oder rohe Äpfel sind in der Beikost in ihrer natürlichen Form nicht geeignet. Um sie zu zerkleinern benötigen Kinder Backenzähne, die meist erst um das zweite Lebensjahr herum durchbrechen. Die Gefahr, dass diese Lebensmittel beim Versuch sie ohne Backenzähne zu zerkleinern abrutschen und aufgrund ihrer Größe und Form die Luftröhre verschließen ist zu hoch. Selbstverständlich muss man aber nicht komplett darauf verzichten, man kann die Lebensmittel einfach so anbieten, dass sie keine Gefahr beim Verzehr darstellen. So können Nüsse z.B. in Form von Nussmus gegeben werden, Heidelbeeren zerquetscht, Trauben geviertelt oder Äpfel weich gegart werden.

Du möchtest mehr Tipps wie du deinem Baby Lebensmittel sicher anbieten kannst? Folge mir gerne auf Instagram @mundgerecht 💛

 

3. Stelle eine sichere Essensumgebung her!

Die Umgebung, in der dein Kind sein Essen zu sich nimmt, spielt eine sehr wichtige Rolle im Bezug das Verschluckungsrisiko. Um eine möglichst hohe Sicherheit zu gewährleisten, solltest du unter anderem auf folgende Dinge achten:

Essen sollte nur im Sitzen, in einer aufrechten Position, zu sich genommen werden (das kann sowohl im Hochstuhl, als auch auf dem Schoß eines Erwachsenen sein. Nahrungsaufnahme im Halbliegen, wie z.B. in Wippen, ist nicht geeignet)

Der verwendete Hochstuhl sollte über ein Fußbrett verfügen (ein sicherer Stand ist im Fall eines Verschluckens wichtig um den Fremdkörper richtig abhusten zu können, hängen die Füße in der Luft ist dies schwierig möglich. Das Brett sollte so angebracht werden, dass die Beine des Kindes etwa 90° angewinkelt sind)

Keine Ablenkung während des Essens (dazu zählen einerseits Fernseher, Tablet oder andere elektronische Geräte, aber auch eine ständige Ansprache des Kindes kann zur Ablenkung führen. Dein Kleines sollte sich möglichst auf das Essen und die damit verbundenen Vorgänge konzentrieren können)

 

4. Lass dein Kind nie unbeaufsichtigt!

Wie bereits beschrieben kann Ersticken sehr leise sein, daher lasse dein Kind beim Essen nie aus den Augen. Auch wenn die Verlockung groß ist in der Zeit, in der das Baby isst schnell ein paar Dinge zu erledigen, ist es das nicht wert. Nur so kannst du, sollte doch einmal etwas passieren, sofort reagieren.

 

5. Mache einen Erste-Hilfe-Kurs für Kinder! 

Werden alle bisher genannten Maßnahmen eingehalten, kann die Chance auf gefährliches Verschlucken bereits erheblich minimiert werden. Nichtsdestotrotz kann natürlich immer mal etwas passieren. Für diesen Fall ist es unheimlich wichtig gut vorbereitet zu sein. Ein Erste-Hilfe-Kurs gibt dir nicht nur die Möglichkeit im Ernstfall zu reagieren, sondern schenkt auch Sicherheit und Ruhe, die sich auch auf dein Kind übertragen wird. Erste-Hilfe-Kurse gibt es mittlerweile auch online in Videoform zum Selbstlernen, sollte das mehr deinen Wünschen entsprechen, aber auch in deiner Nähe wird es sicherlich einige Angebote geben.

4. Verschlucken bei Baby Led Weaning – ist BLW gefährlicher als Babybrei?

 

Ein Mythos der sich weiterhin fest hält ist, dass Baby Led Weaning dazu führt, dass sich Kinder mehr oder gar gefährlicher Verschlucken, als Babys, die mit Brei gefüttert werden. Aber ist das wirklich so?

Das sagt die Studienlage zum Thema Verschlucken bei Baby Led Weaning:

Eine neuseeländische, randomisierte, kontrollierte Studie, bei der 206 Eltern-Kind-Paare verglichen wurden, hatte zum Ergebnis, dass es keinen signifikanten Unterschied zwischen Babys gab, die Brei und denen die Baby Led Weaning nach dem BLISS-Konzept erhielten. Das BLISS-Konzept (Baby-Led Introduction to SolidS) in Neuseeland ist gleichzusetzen mit den BLW-Richtlinien, die hier in Deutschland von Fachpersonal gelehrt werden (sprich das Kind füttert sich selbst ohne Eingreifen der Eltern, zusätzlich wird nach Bedarf gestillt oder das Fläschchen gegeben. Die Nahrung wird so gereicht, dass ein Verschluckungsrisiko möglichst gering gehalten wird und alle Sicherheitsmaßnahmen, siehe oben, werden eingehalten)

Weitere Ergebnisse:

Insgesamt verschluckten sich 35% der Kinder mind. ein Mal im Alter von 6 bis 8 Monaten. BLISS-Babys würgten mit 6 Monaten öfter als Brei-Babys. Mit 8 Monaten war es dann genau anders herum, da würgten Brei-Babys, denen Fingerfood angeboten wurde, mehr. Als besorgniserregend wurde angemerkt wie häufig den Babys Lebensmittel, die ein hohes Verschluckungsrisiko haben, angeboten wurden. (5)

Bei einer anderen britischen Self Report Study (Ergebnisse werden via Selbstauskunft erhoben) wurden 1151 Mütter mit Kindern zwischen 4 und 12 Monaten befragt. Dabei ergab sich, dass sich 13,6% der Kinder in der Beikostzeit verschluckten. Am häufigsten war dies bei Kindern der Fall, die zunächst feine und anschließend stückige Breie und Fingerfood erhielten. Ein häufigeres Verschlucken durch Baby Led Weaning konnte auch hier nicht festgestellt werden. (6)

 

Die Studienlage bezüglich BLW ist momentan noch nicht sonderlich hoch, wird durch die wachsende Popularität aber natürlich immer besser. Aus den genannten Studien lässt sich aber bisher gut erkennen, dass BLW nicht gefährlicher ist als Beikost mit Brei. Wenn man es richtig macht! Eine ausführliche Recherche über geeignete und ungeeignete Lebensmittel, sowie zu beachtende Sicherheitsmaßnahmen ist unerlässlich.

Wenn dies gegeben ist kann Baby Led Weaning aber ein toller, aufregender Beikostweg für alle Beteiligten sein 😊

➡️ Beliebte Baby Led Weaning Rezepte ab Beikostreife:

Schnelles Vollkornbrot ohne Salz

Baby French Toast

Saftige Apfel Hafer Schnitten

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Disclaimer: Dieser Post ersetzt keine medizinische Untersuchung und Beratung durch einen Kinderarzt / eine Kinderärztin oder einer Ernährungsfachkraft vor Ort, sondern dient nur der allgemeinen Information.

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Quellen

 

(1) Wikipedia (2021) – Würgreflex – aufgerufen am 17.04.2022

(2) Netdoktor (2019) – Ersticken: Anzeichen und Erste Hilfe – aufgerufen am 17.04.2022

(3) Naylor, Audrey J., Morrow Ardythe L. (2001). Developmental Readiness of Normal Full Term Infants To Progress from Exclusive Breastfeeding to the Introduction of Complementary Foods: Reviews of the Relevant Literature Concerning Infant Immunologic, Gastrointestinal, Oral Motor and Maternal Reproductive and Lactational Development – aufgerufen 24.02.2022

(4) Unicef – Introducing Solid Foods (2015) – aufgerufen 25.02.2022

(5) Fangupo, L. J., Heath, A.-L. M., Williams, S. M., Erickson Williams, L. W., Morison, B. J., Fleming, E. A., Taylor, B. J., Wheeler, B. J., & Taylor, R. W. (2016). A Baby-Led Approach to Eating Solids and Risk of Choking – aufgerufen 25.02.2022

(6) Brown, A. (2017). No difference in self-reported frequency of choking between infants introduced to solid foods using a baby-led weaning or traditional spoon-feeding approach – aufgerufen 25.02.2022

 

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