Kuhmilch in der Beikost?

Alles was du wissen musst!

Milch in der Beikost: Glas Milch vor einem grünen Hintergrund

14. Juni 2022

Dürfen Babys Kuhmilch bekommen? Eine Frage, die sich viele Eltern stellen und die oft zu Unsicherheit führt. Du möchtest wissen ab wann und wie viel Kuhmilch für Babys in Ordnung ist oder ob du es überhaupt nötig ist sie zu geben?

In diesem Beitrag erfährst du alles was du über Kuhmilch in der Beikost wissen musst um sicher starten zu können.

1. Ist Kuhmilch in der Beikost erlaubt?

Die erste und wichtigste Frage vorweg. Dürfen Babys Kuhmilch in der Beikost bekommen? Die Antwort: Ja. Es müssen aber einige Dinge beachtet werden.

Babys unter einem Jahr sollten eine maximale Tagesmenge von 200 ml Kuhmilch nicht überschreiten. Beim klassischen Beikostweg mit Brei erfolgt dies über den Vollmilch-Getreide-Brei, der meist am Abend gefüttert wird. (1)

Aber auch beim Baby Led Weaning dürfen Kuhmilch und Milchprodukte in Maßen eingesetzt werden. Dies aber ausschließlich in verarbeiteter* Form und nicht als Getränk.

Kuhmilch ersetzt hier in keinem Fall die Muttermilch oder Säuglingsnahrung (Pre- oder “1er”-Milch), sondern ist als Teil der Beikost zu sehen. Muttermilch spielt im ersten Lebensjahr die Hauptrolle in der kindlichen Ernährung und sollte nach Bedarf gegeben werden. Beikost ergänzt diese. Die Rolle der Beikost ist nicht der Ersatz der Muttermilch. Solche Ansätze sind heutzutage veraltet und überholt. 

*“Milch in verarbeiteter Form“ – was bedeutet das?

Mit „in verarbeiteter Form“ meint man, dass Kuhmilch unter einem Jahr nicht als Getränk. sondern nur als Zutat, angeboten werden soll. Zum Beispiel: Im Milch-Getreide-Brei, in Pancakes, Muffins, Waffeln oder anderem Gebäck, in kleinen Mengen in Soßen etc. Der Grund dafür ist, dass bei der Verarbeitung (Erhitzen) die in der Milch enthaltenen Eiweiße leichter verdaulich werden. Das Gleiche gilt für fermentierte Milchprodukte.

2. Ab wann darf ich meinem Baby Kuhmilch anbieten?

Mit Erfüllen aller drei Reifezeichen kann mit der Beikost gestartet werden. Laut Empfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben, einer Initiative des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, sollte frühestens zu Beginn des fünften Monats und spätestens zu Beginn des siebten mit der Beikost gestartet werden. Die WHO empfiehlt ab dem sechsten Monat zu beginnen. Mit dem Beginn der Beikost ist auch die Gabe von Kuhmilch in der Babyernährung erlaubt. Zunächst in kleinen Mengen, anschließend kann sich auf bis zu 200 ml täglich gesteigert werden. (2)

Mehr zum Thema Beikostreifezeichen und Sicherheit am Esstisch für Babys findest du in meinem Blogbeitrag „Die große Angst vor dem Verschlucken“.

3. Warum überhaupt Kuhmilch in der Beikost geben?

Eins vorweg: Kuhmilch in der Beikost ist kein Muss. Es kann auch darauf verzichtet werden, falls gesundheitliche, ethische oder welche Gründe auch immer, vorliegen.

 

Dennoch steckt Kuhmilch aber natürlich auch voller Nährstoffe, die einen positiven Nutzen für den Körper haben, daher möchte ich diese hier nicht völlig unerwähnt lassen:

 

Neben Eiweiß liefert Kuhmilch auch noch eine Menge anderes z.B. Calcium, Jod und Fluorid, die u.a. sehr wichtig für die Knochenentwicklung von Säuglingen sind. Außerdem Zink, Vitamin B12, B2, A und D.

 

Joghurterzeugnisse und Sauermilchprodukte wie Kefir (Vorsicht: kann Alkohol enthalten, auf Bezeichnung Kefir, mild achten) und Buttermilch sorgen für eine bessere Calciumaufnahme im Körper und können positive Einflüsse auf den Magen-Darm-Trakt haben und eine gesunde Darmflora unterstützen. (6)

 

Milch und Milchprodukte sind somit eine relativ einfache Möglichkeit um Säuglinge und Kleinkinder mit vielen, für die Entwicklung essentiellen Nährstoffen, zu versorgen.

4. Joghurt, Frischkäse, Quark und Co. Sind Milchprodukte für Babys erlaubt?

Sieht man sich die Empfehlungen deutscher Fachgesellschaften an wird von einem Einsatz von Milchprodukten in der Beikost abgeraten.

Das liegt aber nicht etwa daran, dass Milchprodukte wie Joghurt, Frischkäse oder Buttermilch für Babys weniger geeignet sind als Vollmilch. Sondern vielmehr daran, dass in Deutschland Beikost mit Babybrei und dem dazugehörigen Fahrplan gleichgesetzt wird. Wie bereits erwähnt wird innerhalb dieses Fahrplans die max. Tagesmenge an Kuhmilch in der Beikost in Form des Vollmilch-Getreide-Breis (sog. Abendbrei) angeboten. Da die Menge damit also bereits ausgeschöpft ist, wird von einem zusätzlichen Verzehr von Milchprodukten für Babys natürlich abgeraten.

Immer mehr Eltern entscheiden sich mittlerweile aber für einen anderen Weg der Beikost, sei es Baby Led Weaning oder eine Kombination aus Brei und Fingerfood.

Da bei diesen Formen kein strikter Plan einzuhalten ist, können hier auch Milchprodukte eine Rolle in der Babyernährung spielen.

ABER: Aufgrund des hohen Eiweißgehalts von Kuhmilch und Milchprodukten sollten auch hier die Grenzen von 200 ml Vollmilch nicht überschritten werden.

Das liegt daran, dass die Nieren von Säuglingen bis zum Ende des ersten Lebensjahres noch nicht vollständig ausgereift sind. Sie haben nur ein begrenztes Adaptionsvermögen und sollten daher nicht zu sehr beansprucht werden. (3) Überschüssiges Eiweiß wird zu Harnstoff umgewandelt und über die Nieren mit dem Urin abtransportiert. Dieser Vorgang kann die unausgereiften kindlichen Nieren aber zu stark belasten und zu Schäden führen. (4)

So viele Milchprodukte sollten es in der Beikost maximal sein

 

Wie bereits erwähnt ist der Grund der Einschränkung des Kuhmilchkonsums der erhöhte Eiweißgehalt. Anhand dessen kann also auch die maximale Tagesmenge verschiedener Milchprodukte berechnet werden:

100 ml Kuh-Vollmilch enthalten etwa 3,3 g Eiweiß, d.h. ein Baby darf max. 6,6 g Eiweiß pro Tag aus der Milch zu sich nehmen (200 ml / Tag).

100 g Naturjoghurt enthalten ebenfalls 3,3 g Eiweiß, d.h. auch hier dürfte ein Baby 200 g Joghurt am Tag verzehren
 

Der Eiweißgehalt kann hier sehr variieren, je nachdem welcher Joghurt gekauft wird, daher empfehle ich nicht mehr als 150 g Naturjoghurt pro Tag. Um auf Nummer sicher zu gehen

▶ 100 g Frischkäse enthalten ca. 5 g Eiweiß, hier dürften also max. 132 g Frischkäse pro Tag gegessen werden

Bei Frischkäse ist aber neben dem Eiweiß- auch der Salzgehalt zu beachten. Babys sollten max. 0,5 bis 1 g Salz pro Tag (5) zu sich nehmen. Frischkäse zählt zu den salzreichen Lebensmitteln. Sollte daher also nur in Maßen angeboten und die 132 g nicht vollständig ausgeschöpft, werden. Ab und zu ein wenig Frischkäse aufs Brot oder als Verfeinerung von Soßen ist aber in Ordnung

Achte bei der Auswahl auf eine möglichst salzarme (unter 1 g / 100 g) Variante 

▶ 100 g Quark (vollfett) enthalten ca. 9 g Eiweiß, d.h. ein Baby dürfte hier max. 73 g Quark / Tag essen

Quark ist im Vergleich zu den anderen Milchprodukten sehr eiweißreich. Um ein Überfordern der Nieren zu vermeiden, sollte Quark nur sehr selten und in kleinen Mengen eingesetzt werden. Um sicher zu gehen kann unter einem Jahr auch ganz darauf verzichten werden.

Wie man sieht, Milchprodukte können in der Ernährung von Säuglingen eingesetzt werden, aber mit Bedacht.

Beachte:

Bei den oben angegeben Mengen handelt es sich um Tageshöchstmengen. D.h. werden verschiedene Kuhmilch und Milchprodukte angeboten, musst du daran denken, dass sich der Eiweißgehalt summiert.

Wenn du deinem Baby also z.B. 150 g Joghurt gibst, solltest du an diesem Tag auf weitere Milch und Milchprodukte verzichten. Planst du am Abend einen Milchbrei zu geben? Dann verzichte besser auf den Frischkäse auf dem Brot am Morgen und entscheide dich für einen milchfreien Belag.

Zur Berechnung habe ich die Werte des Nährwertrechners herangezogen, der als Grundlage den Bundeslebensmittelschlüssel des Max Rubner-Instituts benutzt. Genaue Nährwertangaben können jedoch von Produkt zu Produkt abweichen.

Milch in der Beikost: Übersicht so viel Milch darf dein Baby max. zu sich nehmen

5. Worauf sollte ich bei der Auswahl der Milch und Milchprodukte für mein Baby achten?

 

Dann wäre somit schon mal geklärt, dass Kuhmilch in der Beikost nicht pauschal verboten ist, aber was ist bei der Auswahl noch zu beachten? 

1. Nutze ausschließlich pasteurisierte bzw. hoch erhitzte Milch (Frisch- oder H-Milch)                                         

Rohmilch und Vorzugsmilch sind aufgrund der möglichen Keimbelastung nicht geeignet (7)

2. Bei der Wahl der Milch / des Milchprodukts ist immer auf die vollfett-Variante zu setzen (mind. 3,5 %)

Fett ist für die kindliche Entwicklung sehr wichtig. U.a. für die Hirn- und Augenentwicklung, sowie die Aufnahme fettlöslicher Vitamine. Die täglich empfohlene Fettzufuhr von Säuglingen liegt bei 35% bis 45% der Tagesenergie (Erwachsene: 30%). Um diese zu decken sollten v.a. gesunde Fette mit einem hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren (DHA, EPA) und zusätzlich fettreichem Fisch, verzehrt werden. Aber auch bei Milch und Milchprodukten darf zu den fettreichen Varianten gegriffen werden. Ab 1 Jahr kann dann auf fettreduzierte Produkte zurückgegriffen werden, wenn das gewollt ist. (8)

3.“Natur” ist immer zu bevorzugen

Statt zu zuckerhaltigem Fruchtjoghurt, Kräuterfrischkäse und Bananenmilch greife besser zu den Versionen ohne unnötige Zusätze. So hast du selbst im Blick was dein Kind zu sich nimmt und auf Dinge wie Zucker oder zu viel Salz kann einfacher verzichtet werden.

6. Kuhmilch in der Beikost?! Und was ist mit Allergien?

 

Ein Mythos, der sich noch immer wacker hält ist, dass auf Lebensmittel, mit einem hohen Potential für eine Nahrungsmittelallergie, unter einem Jahr verzichtet werden sollte. In Europa zählt zu den sieben wichtigsten Nahrungsmittelallergenen neben Baumnüssen (Haselnuss, Walnuss), Weizen, Soja, Eiern, Erdnüssen, Fisch, Meeresfrüchten auch die Kuhmilch (9)

 

Laut früheren Empfehlungen war es tatsächlich so, dass auf diese Lebensmittel in der Beikost verzichtet werden sollte. Im Jahr 2009 kam es jedoch zu einem sogenannten Paradigmenwechsel (“Wechsel von einer wissenschaftlichen Grundauffassung zu einer anderen”) im Bezug auf den Umgang mit potentiell allergenen Lebensmitteln.

In den S3-Leitlinien zur Allergieprävention wurde unter anderem festgehalten, dass ein Verzicht auf oben genannte Lebensmittel in der Beikost keinen Vorteil bringt und sich ein früher, kontinuierlicher Einsatz, in kleinen Mengen, positiv auf die Allergieprävention auswirken kann. Im besten Fall sollte dies in Verbindung mit Muttermilch / Stillen erfolgen (10). Diese Empfehlungen wurden dieses Jahr auch nochmals bestätigt.

 

Ein kompletter Verzicht auf Kuhmilch und andere potentiell allergieauslösenden Lebensmittel ist, im Bezug auf die Allergieprävention, also nicht geraten. Jedoch muss bei einigen dieser Lebensmittel (z.B. Nüsse) auf die richtige, babygerechte Darreichungsform (z.B. Nussmus)  geachtet werden.

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7. Kuhmilch in der Kontroverse – das sagt die aktuelle Studienlage

Immer wieder kursieren Gerüchte, dass ein zu früher Konsum von Kuhmilch, v.a. für Säuglinge (unter einem Jahr), negative Folgen haben soll. Den Höhepunkt erreichten diese im Jahr 2019, als mehr und mehr Medienberichte zu dem Thema auftauchten. Diesen zugrunde lagen Untersuchungen des Mediziners Prof. Dr. Harald zur Hausen und einer Arbeitsgruppe des DKFZ (Deutsches Krebsforschungszentrum). (11)

 

Die Überlegung:

Sogenannte Bovine Meat and Milk Factors (BMMF), die in Kuhmilch und Rindfleisch nachgewiesen werden konnten, sollen sich positiv auf die Entstehung von Brust- und Dickdarmkrebs auswirken. 

 

Bei den BMMF handele es sich, laut DKFZ, um eine “neuartige Art der Erreger, die in ihren Charakteristika zwischen Viren und Bakterien liegen”. Sie sollen chronische Entzündungen verursachen und dadurch eine Umgebung schaffen, die für die Entstehung von Krebserkrankungen ideal ist. Aufgrund des noch nicht ausgereiften Immunsystems von Säuglingen und Kleinkindern (im ersten oder zweiten Lebensjahr) könnten sich diese bereits früh mit BMMF infizieren. (12) 

 

Das klingt im ersten Moment natürlich erstmal äußerst beängstigend. Wenn man sich die Datenlage jedoch genauer ansieht ist diese nicht so absolut eindeutig wie einige Medien und Personen versuchen diese darzustellen.

 

Das ist der aktuelle Stand (13),(14):

  • Weder Prof. Dr. zur Hausen, noch das Deutsche Krebsforschungsinstitut stellen aktuell einen ursächlichen Zusammenhang zwischen BMMF und der Krebsentstehung her
  • Es handelt sich hierbei um Überlegungen und theoretische Hinweise, die unbedingt weiter untersucht werden müssen. Für finale Aussagen ist es allerdings noch viel zu früh
  • Die Krebsentstehung ist komplex, BMMF können dabei eine Rolle spielen. Sind aber nur einer von vielen Faktoren
  • „Es fehlen Hinweise, ob BMMF einen kanzerogenen oder neurodegenerativen Prozess im Körper auslösen können“
  • Säuglinge sollten möglichst lange gestillt werden und nicht zu früh mit Kuhmilch gefüttert werden

 

Aus der Stellungnahme des Deutschen Krebsforschungszentrums:

Das DKFZ warnt nicht vor Milch- und Fleischkonsum. Es bemüht sich aber, die seit langem bekannten Zusammenhänge zwischen Fleisch- und Milchkonsum und chronischen Erkrankungen ursächlich aufzuklären. Darüber hinaus sollen geeignete Maßnahmen zur Vermeidung dieser Ursachen entwickelt werden (13)

 

Und auch das Max-Rubner-Institut (MRI), sowie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kommen zu dem Ergebnis, dass die Datenlage momentan noch nicht ausreicht um das potentielle Krebsrisiko ausreichend zu bewerten. (14) Aktuell fehlen z.B. Daten vom Vorkommen von BMMF in anderen Lebensmitteln, dem Vergleich des BMMF-Vorkommens in Menschen, die an Krebs erkrankt sind und Gesunden, Mechanismen der potentiellen Krebsentstehung durch BMMF und einer möglichen Inaktivierung dieser Faktoren in Lebensmitteln. (15)

 

Der Milchverzehr ist somit nach oben beschriebenen Richtlinien, laut Fachgesellschaften, auch in der Beikost möglich. Wie bei allem gilt: Die Menge ist wichtig. Für genaue Aussagen und Handlungsempfehlungen wie „unter einem Jahr, sollte komplett auf Milch verzichtet werden“ ist die Datenlage noch zu dünn.

Weiterführende Artikel zum Selbstinformieren:

8. Kuhmilch, der “Eisenräuber”

Einer der wichtigsten Nährstoffe in der Baby- und Kleinkindernährung ist das Eisen. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfiehlt die ersten sechs Lebensmonate eines Babys dieses ausschließlich zu stillen.

Sollte das nicht möglich sein sollen passende Säuglingsnahrungen eingesetzt werden (Pre-Nahrung oder “1er”-Nahrung). Ab dem sechsten Monat soll dann zusätzlich zum Stillen oder Fläschchen nährstoffreiche Beikost eingeführt werden. (16) (Anmerkung: Das Alter alleine sollte nicht der Hauptfaktor für die Einführung der Beikost sein, vielmehr sollte auf den Eintritt der drei Beikostreifezeichen geachtet werden.) (17)

 

Oft hört man die Aussage, dass die Eisenspeicher von Babys ab dem sechsten Lebensmonat langsam zur Neige gehen und diese daher mit eisenreicher Nahrung aufgefüllt werden müssten. Natürlich ist es aber auch hier nicht ganz so einfach pauschale Aussagen zu treffen. Wie gut die Eisenspeicher jedes einzelnen Babys gefüllt sind kann sehr unterschiedlich sein und hängt u.a. mit dem Geburtsgewicht, der Eisenversorgung der Mutter während der Schwangerschaft und des Zeitpunkts der Abnabelung bei der Geburt (Auspulsieren der Nabelschnur) zusammen. Allgemein wird jedoch vermutet, dass reif geborene, gesunde, gestillte Säuglinge mindestens bis zum sechsten Lebensmonat ausreichend mit Eisen versorgt sind. (18)

 

Was sind eisenreiche Lebensmittel?

 

Bei der Aufnahme von Eisen über die Nahrung kommt es nicht nur darauf an welche Lebensmittel viel oder wenig Eisen enthalten, sondern wie dieses auch vom Körper verwertet werden kann. Hier unterscheidet man:

 

Aus tierischen Lebensmitteln (Hämeisen): Dieses ist v.a. in (rotem) Fleisch, Leber, Geflügel und Fisch enthalten. Hämeisen kann vom Körper besser verwertet werden, da es in zweiwertiger Form (Fe2+ ) vorliegt.

 

Aus pflanzlichen Lebensmitteln (Nicht-Hämeisen): Eisen aus Hülsenfrüchten (Linsen, Bohnen, Kichererbsen), Leinsamen, getrockneten Aprikosen, Nüssen, Samen und Pilzen liegt im Gegensatz dazu in dreifacher, fest gebundener Form (Fe3+) vor. Dieses muss nach dem Verzehr jedoch zunächst in eine lösliche Form überführt und in zweiwertiges Eisen umgewandelt werden. Daher ist es weniger gut aufnehmbar. (19)

 

Eisen aus tierischen Quellen ist somit besser vom Körper verwertbar, als aus pflanzlichen.

 

Diese Verwertbarkeit kann jedoch durch verschiedene Methoden unterstützt bzw. gehemmt werden.(20)

 

Dinge, die die Eisenaufnahme unterstützen:
  • Vitamin C 
  • Organische Säuren (Zitronensäure und Milchsäure)

 

Dinge, die die Eisenaufnahme hemmen:
  • Oxalsäure (Rhabarber, Spinat, Mangold, Rote Beete, Kakao)
  • Tannin (schwarzer Tee, Kaffee, Rotwein)
  • Phytat (Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Ölsaaten)
  • Phosphat (Cola, Wurst, Schmelzkäse, Scheiblettenkäse, Milch, Milchprodukte)
  • Calcium (Milch, Milchprodukte, Brokkoli, Grünkohl)
  • Antibiotika und einige Medikamente

 

Milch und Milchprodukte gehören also zu den Lebensmitteln, die die Aufnahme von Eisen behindern können. So setzt du Kuhmilch in der Beikost richtig ein: 

Was heißt dies für die Praxis?

  • Baue so oft wie möglich eisenreiche Lebensmittel (tierische und pflanzliche) in die Ernährung deines Kindes ein
  • Kombiniere eisenreiche Lebensmittel möglichst selten mit Milch und Milchprodukten
  • Limitiere den Einsatz von Milch und Milchprodukten auf eine (bis zwei) Mahlzeit pro Tag
  • Wenn pflanzliche Eisenlieferanten gewählt werden, kombiniere diese mit Vitamin-C-reichen Lebensmitteln (frischem Obst, Paprika, Obstmus oder -saft in Breien)
  • Stille so lange wie möglich – Muttermilch enthält zwar vergleichsweise wenig Eisen, jedoch enthält sie Lactoferrin. Lactoferrin hat die Fähigkeit große Mengen Eisen zu binden und somit besser verwerten zu können (21)

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Milch in der Beikost: Mandeln fallen in Milch

Bildquelle: unsplash.com

9. Kein Bock auf Kuhmilch für dein Baby? So kannst du sie ersetzen!

Nein, Milch ist kein Muss in der Kinderernährung. Was aber ein Muss ist sind die Nährstoffe, die die Milch liefert. Diese stecken aber natürlich nicht nur in Kuhmilch. Möchtest du also auf Milch in der Beikost verzichten sind hier ein paar

Dinge, die zu beachten sind:
 
  • Vor der Beikosteinführung sollten einzig Muttermilch oder Säuglingsnahrung angeboten werden

  • Der Einsatz von Pflanzendrinks ist ab Beikostreife theoretisch möglich, für den klassischen Milch-Getreide-Brei empfiehlt es sich dennoch diesen anfangs besser mit Muttermilch oder Säuglingsnahrung zuzubereiten

  • Pflanzendrinks sind kein Ersatz für Muttermilch oder Säuglingsnahrung

  • Auch hier gilt: Langsame Einführung, in verarbeiteter Form, max. 200 ml pro Tag

  • Pflanzendrinks sind in der Regel nährstoffärmer als Kuhmilch. Produkte, die zumindest mit Calcium (120 mg / 100 ml) angereichert sind, sind zu bevorzugen. Soja- und Erbsendrinks sind Kuhmilch vom Eiweißgehalt am nächsten. Der Einsatz von Sojamilch unter einem Jahr ist jedoch etwas umstritten

  • Werden nährstoffärmere Drinks wie Reis- oder Haferdrink gewählt ist ein zusätzlicher Einsatz von Fetten (z.B. in Form von Ölen und Nussmus), eiweiß- (Tofu, Hülsenfrüchte, Nussmus, Vollkorngetreide) oder calciumreichen Lebensmitteln (calciumreiches Mineralwasser, Brokkoli, Spinat, Grünkohl, Haselnüsse und Paranüsse gemahlen oder als Mus) zu empfehlen

  • Pflanzendrinks und Ersatzprodukte sollten zuckerfrei und möglichst salzarm sein. Auch hier besser zu “Natur”, als zu unnötigen Zusätzen greifen

  • Je nachdem, ob in der Ernährung nur auf Milch und Milchprodukte verzichtet wird oder ob es sich um eine rein pflanzliche (vegane) Ernährung handelt, müssen evtl. Anpassungen in der weiteren Ernährung stattfinden bzw. bestimmte Nährstoffe supplementiert werden (Jod, B12). Ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt bzw. eine Beratung bei einer gut ausgebildeten Fachkraft für vegane Ernährung ist hier sinnvoll

10. Zusammenfassung

Der Einsatz von Kuhmilch in der Beikost führt oft zu Unsicherheiten bei Eltern, was auch verständlich ist. Gefühlt hat jeder schon einmal einen Mythos darüber gehört, auch wenn diese nicht immer zu 100 % der Wahrheit entsprechen.

 

Milch und Milchprodukte werden im Allgemeinen als nicht gesundheitsschädlich bewertet, sofern einige Dinge beachtet werden. Mehr als 200 ml pasteurisierte bzw. hoch-erhitzte Vollmilch sollen es für Babys pro Tag nicht sein. Wenn du dich nicht für den klassischen Beikostweg in Form von Brei, sondern für Baby Led Weaning oder eine Mischung aus Brei und Fingerfood entscheidest, ist auch der Einsatz von Milchprodukten, in geeigneten Mengen, möglich.

 

Kuhmilch oder andere tierische und pflanzliche Milcharten sind dabei aber niemals ein adäquater Ersatz für Muttermilch, sondern Teil der Beikost. Wird nicht gestillt, greife stattdessen zu Säuglingsnahrung (Pre oder “1er”). 

 

Kuhmilch ist äußerst nährstoffreich und dadurch ein einfacher Weg um Babys und Kinder mit, für die Entwicklung wichtigen Nährstoffen, zu versorgen. Zu behaupten tierische Milch wäre aber unerlässlich für Babys und Kleinkinder ist schlichtweg falsch. Sie kann eingesetzt werden, muss aber nicht.

Je nachdem, ob in der Ernährung des Kindes nur auf Kuhmilch und Milchprodukte oder ganz auf tierische Produkte verzichtet wird, muss jedoch die restliche Ernährung mehr oder weniger angepasst werden. Nährstoffe wie Calcium, Jod, Vitamin B12, Eiweiß und Fett müssen möglicherweise aus anderen Quellen aufgenommen werden. Ein einfacher Austausch von Kuhmilch durch nährstoffärmere, pflanzliche Alternativen (Pflanzendrinks und andere pflanzliche Ersatzprodukte) kann, vor allem bei kleinen Kindern, im schlimmsten Falle zu Gedeihstörungen führen und ist daher nicht sinnvoll.

Das Ziel sollte eine gut durchdachte, ausgewogene und bunte Kinderernährung sein, ob nun mit oder ohne Kuhmilch bleibt dabei jeder/ jedem selbst überlassen.

Hat dir der Beitrag geholfen? Ich freue mich über Feedback hier in den Kommentaren oder folge mir gerne auf Instagram 💛

Disclaimer: Dieser Post ersetzt keine medizinische Untersuchung und Beratung durch einen Kinderarzt / eine Kinderärztin oder einer Ernährungsfachkraft vor Ort. Er dient ausschließlich der allgemeinen Information.

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Quellen – „Alles was du über Kuhmilch in der Beikost wissen musst“

 

(1) Netzwerk Gesund ins Leben (2013) – Dürfen Säuglinge im 1. Lebensjahr Kuhmilch bekommen? – aufgerufen am 07.05.2022

(2) Netzwerk Gesund ins Leben (2013) – Dürfen Säuglinge im 1. Lebensjahr Kuhmilch bekommen? – aufgerufen am 07.05.2022

(3) Guignard, J.P., Drukker, A. (2002). Entwicklung der Nierenfunktion. In: Schärer, K., Mehls, O. (eds) Pädiatrische Nephrologie. Springer, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-642-56378-2_9

(4) Utopia (2022) – Eiweiß: Zu viel Protein schadet den Nieren – aufgerufen am 07.05.2022

(5) National Health Service (2021) – Salt: The facts – aufgerufen am 07.05.2022

(6) Bundeszentrum für Ernährung (2020) – Milch: Gesund trinken – aufgerufen am 07.05.2022

(7) Netzwerk Gesund ins Leben (2013) – Dürfen Säuglinge im 1. Lebensjahr Kuhmilch bekommen? – aufgerufen am 29.05.2022

(8) Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2000) – Fett, essentielle Fettsäuren: Richtwerte für die Zufuhr – aufgerufen am 29.05.2022

(9) Allergieinformationsdienst (2019) – Nahrungsmittel als Allergene und Kreuzallergien – aufgerufen am 29.05.2022

(10) Kopp MV, Muche-Borowski C, Abou-Dakn M, Ahrens B, Beyer K, Blümchen K, Bubel P, Chaker A, Cremer M, Ensenauer R, Gerstlauer M, Gieler U, Hübner IM, Horak F, Klimek L, Koletzko BV, Koletzko S, Lau S, Lob-Corzilius T, Nemat K, Peters EMJ, Pizzulli A, Reese I, Rolinck-Werninghaus C, Rouw E, Schaub B, Schmidt S, Steiß JO, Striegel AK, Szépfalusi Z, Schlembach D, Spindler T, Taube C, Trendelenburg V, Treudler R, Umpfenbach U, Vogelberg C, Wagenmann M, Weißenborn A, Werfel T, Worm M, Sitter H, Hamelmann E. S3 guideline Allergy Prevention. Allergol Select. 2022 Mar 4;6:61-97. doi: 10.5414/ALX02303E. PMID: 35274076; PMCID: PMC8905073.

(11) Wikipedia (2021) – Bovine Meat and Milk Factors – aufgerufen am 09.06.2022

(12) Max-Rubner-Institut (2019) – Neuartige Erreger in Fleisch und Milch – aufgerufen am 09.06.2022

(13) Deutsches Krebsforschungszentrum (2019) – Informationen des DKFZ zu aktuellen Meldungen in den Medien: Das DKFZ warnt nicht vor Milch- und Fleischkonsum – aufgerufen am 10.06.2022

(14) Max Rubner-Institut (2021) – Aktuelle Datenlage und Forschungen zu „Bovine Meat and Milk Factors“ (BMMF) am Max Rubner-Institut – aufgerufen am 10.06.2022

(15) Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2019) – Erhöhen neuartige Erreger in Kuhmilch und Rindfleisch das Krebsrisiko? – aufgerufen am 10.06.2022

(16) World Health Organisation (2022) – Complementary Feeding – aufgerufen am 12.06.2022

(17) Unicef (2015) – PDF Introducing Solid Foods – aufgerufen am 12.06.2022

(18) Still-Lexikon (2019) – Stillen und Beikost nach Bedarf: Besteht ein Risiko für Eisenmangelanämie nach 6 Monaten? – aufgerufen am 12.06.2022

(19) Bundesinstitut für Risikobewertung (2022) – Eisen ist nicht gleich Eisen – wodurch unterscheiden sich pflanzliches und tierisches Eisen? – aufgerufen am 12.06.2022

(20) Bundesinstitut für Risikobewertung (2008) – Fragen und Antworten zu Eisen in Lebensmitteln – aufgerufen am 12.06.2022

(21) Wikipedia (2022) – Lactoferrin – aufgerufen am 12.06.2022

(22) de Villiers EM, Zur Hausen H. Bovine Meat and Milk Factors (BMMFs): Their Proposed Role in Common Human Cancers and Type 2 Diabetes Mellitus. Cancers (Basel). 2021 Oct 28;13(21):5407. doi: 10.3390/cancers13215407. PMID: 34771570; PMCID: PMC8582480.

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